Warum deine Marketing-Sprache Leads verbrennt!

Bullshit Bingo: Wie du deine Verkaufsgespräche zerstörst

Vor kurzem hat ein Lead meinem Vertriebler etwas am Telefon gesagt, was mich schon etwas nachdenklich gemacht hat:

Ich hatte vorher in einem Gespräch von "planbarer Neukundengewinnung" geredet. Seine Reaktion: "Das sagt jeder Marketer, der mir schreibt. Wortwörtlich jeder."

Aua. Ich meine das wirklich ernst und aufrichtig diesen Begriff, aber irgendwo hatte auch recht.

Ich habe danach mal wieder angefangen meine eigenen Texte durchzusehen Und weißt du was? Der Satz stand oft. Auf der Website, in Nachrichten, in Angeboten. Ein Satz, den ich für meine Positionierung hielt, war in Wahrheit ein Stempel: "Achtung, hier kommt ein Marketer von der Stange."

Das ist das Fiese an Floskeln. Du merkst nicht, dass du sie benutzt. Für dich klingen sie normal. Für den Lead klingen sie wie die letzten 20 Nachrichten in seinem Postfach.

Das Bullshit Bingo, das jeder spielt (ohne es zu wollen)

Hier sind mal ein paar typische Karten, die bei deinen Leads sofort volle Alarme auslösen:

1. Die Marketer-Klassiker

"Planbare Neukundengewinnung." "Skalierbar." "Qualifizierte Leads auf Autopilot." "Sichtbarkeit erhöhen." "Mehr Reichweite, mehr Umsatz." Wer eines dieser Dinger schreibt, klingt wie tausend andere. Nicht weil die (und auch meine) Aussagen falsch sind. Sondern weil sie totgenudelt sind.

2. Die Pressemitteilungs-Wörter

"Ganzheitlich." "Innovativ." "Maßgeschneidert." "Nachhaltig." "Synergien." "Kundenzentriert." "Lösungsorientiert." Das sind Wörter, die nichts bedeuten, weil sie alles bedeuten sollen. Kein Mensch sagt am Küchentisch "wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz". Warum schreibst du es dann?

3. Die Angst-Weichmacher

"Ich wollte mich mal unverbindlich melden." "Vielleicht wäre das ja interessant für Sie." "Gerne können wir uns mal austauschen." Das ist Sprache von jemandem, der sich für seine eigene Nachricht entschuldigt. Leads riechen das. Und Unsicherheit verkauft nicht.

4. Die Hochstapler-Superlative

"Revolutionär." "Einzigartig." "Der Gamechanger." "Next Level." Je größer das Wort, desto kleiner das Vertrauen. Wer wirklich gut ist, muss nicht schreien.

Warum das so viel Schaden anrichtet

Ein Lead entscheidet in Sekunden, in welche Schublade du kommst. Und Sprache ist das erste Sortierkriterium. Bevor er dein Angebot versteht, bevor er deine Referenzen sieht, hört er, WIE du redest.

Floskeln lösen ein Gefühl aus: "Kenn ich schon. Nächster." Das ist kein bewusster Gedanke. Das ist ein Reflex. Derselbe Reflex, mit dem du Werbung wegklickst.

Und jetzt der spannende Teil: Das funktioniert auch andersrum.

Was stattdessen Vertrauen aufbaut

Konkrete Sprache. Bilder statt Begriffe. Gefühle statt Fachwörter.

Statt "planbare Neukundengewinnung": "Du weißt am 1. des Monats nicht, woher der nächste Auftrag kommt. Das ändern wir."

Statt "wir erhöhen Ihre Sichtbarkeit": "Deine Wunschkunden scrollen jeden Tag an dir vorbei, ohne zu wissen, dass es dich gibt."

Statt "maßgeschneiderte Lösung": erzähl, was du konkret machst. Schritt für Schritt. Mit Zahlen.

Merkst du den Unterschied? Die erste Variante beschreibt eine Dienstleistung. Die zweite beschreibt ein Gefühl, das der Lead kennt. Und wer sich verstanden fühlt, vertraut. Sympathie entsteht nicht durch Kompetenz-Vokabular, sondern durch den Moment, in dem jemand denkt: "Genau so ist es bei mir."

Vergleiche funktionieren genauso. "Deine Website sieht aus wie die deiner drei größten Konkurrenten, als wären sie Drillinge beim selben Friseur gewesen." Das bleibt hängen. "Wir optimieren Ihren Webauftritt" definitiv nicht. ;-)

Der ehrliche Test

Nimm deinen letzten Angebotstext oder deine letzte Outreach-Nachricht. Lies sie laut vor. Würdest du so mit einem Kumpel reden, der dich fragt, was du eigentlich machst?

Wenn nein: streichen, umschreiben, vereinfachen. So lange, bis es klingt wie du und nicht wie eine Broschüre.

Ich habe "planbare Neukundengewinnung" übrigens kritisch hinterfragt und baue es nun bewusst behutsamer ein. Nicht weil das Versprechen falsch wäre. Sondern weil ich nicht klingen will wie jeder. Und du solltest das auch nicht wollen.

Welche Floskel hast du selbst schon zu oft benutzt?

Dein Tobias